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«Vollgas Fasnacht» und ein Oberleu

27.02.2017

Die Musikgesellschaft lud zur traditionellen Fasnachtsparty. Und alle kamen. Sogar Donald Trump reiste mit Gattin Melania und einer Entourage kleiner Namensvettern zum grossen Event im kleinen Dorf herbei.

Mit spitzer Zunge, aber stets geistvoll und nie beleidigend oder unter der Gürtellinie präsentierten der Baron, die Prinzessin und Gemeindearbeiter Heinricha Johann dieses Jahr wieder Sünden, Pech und Pleiten ihrer Mitbewohner. Dazwischen unterhielt die Musikgesellschaft, unter der Leitung von Norbert Frei, mit einem fasnächtlichen Melodienstrauss, in dem auch Stimmungs- und Schunkellieder zum Mitsingen und Mitschwingen nicht fehlten. Neben dem Gesamtorchester überzeugten wechselnde Kleinformationen, mit Oberkrainer-Sound, Klarinetten-Pumuckln, Liedern zum «Die Seele la bambala», oder als Hommage an Frank Sinatra mit dem klangvollen Bass des Barons.

Begeisternde Auftritte hatten auch die Tambouren unter der Leitung von Michael Baumgartner vorbereitet. Viel Applaus gab es für die feine, eher leise und gefühlvoll mit Plastikbeuteln interpretierte Perkussionsnummer und die in der Dunkelheit wirbelnden, leuchtenden Trommelschläger. Unter dem Strich: Ein herrlicher Fasnachtsabend in jeder Beziehung!

Ein wirrer Blondschopf trampelte durch

Zu Beginn kam allerdings kurz Hektik auf. Ein wirrer Blondschopf mit ganz in Rot gekleideter Lady «trumpelte» mit seinem Donald-Duck-Entengefolge und amerikanischer Trennwand auf die Bühne. Mister President hiess den Baron schweigen und riss selbst das Wort an sich: «Kriessern first! Ich werde eine Mauer bauen gegen Montlingen und bezahlen wird das Oberriet!» Auch der Berichterstatter dieser Zeitung bekam sein Fett weg. Der pressophobe Gast aus dem grossen Kanton jenseits des Ozeans wollte ihn des Saales verweisen. Im Vergleich zu seinen ameri­kanischen Kollegen kam der «Rheintaler» Schreiberling jedoch gut weg: Er durfte bleiben.

Die herrliche Parodie kam aus der Ecke von Stefan und Brigitte Lüchinger, die sich alljährlich immer wieder etwas Besonderes einfallen lassen. Schmunzeln und Spass verbreiteten auch die Malermeister von R+R «Rast und Ruh», die mit grossen Pinseln und vollen Farbtöpfen so manchem Besucher «die Fassade renovierten». Man traf später in der Mehrzweckhalle und rund darum herum zahlreiche bunte Gesichter mit den Initialen der fasnächtlich aktiven «Malerfirma». Aktive Gruppen kommen immer gut an.

Dann war es so weit: Die Prinzessin und die drei Majoretten machten sich zu den Klängen des Fasnachtsmarsches auf den Weg durch den Saal und pflückten sich den frisch gekürten Oberleu 2017: Im Dorf natürlich bestens bekannt, Paul Dietsche, der ­Höanzalar. Auf der Bühne wurde er eingekleidet und dem Publikum vorgestellt. In der Schnitzelbank der Kriessener Leuen durfte der jüngste Oberleu natürlich ebenfalls nicht fehlen und so erfuhr auch noch der letzte Kriessener vom Missgeschick: «Paul Dietsche, da Höanzalar, fahrt und moss schtuuna, / all winkid eam zua i beschter Luuna. / Iss z’ Kriessera schöa, dänkt er, und winkt o. / Da Grund för das Fuchtla ischt aber aso: / Er hät sini Poscht ufs Autodach gleet. / Jetz iss, quer dor ‘s Dorf, vom Winde verweht.»

Grossartige Helgen, präzise Schilderungen und gekonnter Witz, das sind die Merkmale einer guten Schnitzelbank. Und die Bank der Leuen übertrifft jedes Jahr wieder die durchschnittlichen Erwartungen. Sie sind ein sicherer optischer, klanglicher und vor allem geistvoller Wert – ein echt fasnächtlicher Genuss.

Mit sieben Guggenformationen, vielen Umzugsteilnehmern und Schnitzelbankgruppen erlebte das närrische Treiben in Dorf, unter dem Motto «Vollgas Fasnacht» , am Sonntag einen weiteren Höhepunkt.

Piraten, Affen, Clowns, Prinzessinnen und Superhelden. Die zum Faschingsumzug in Kriessern gekommenen Kinder und erwachsene Zuschauer hatten sich viel einfallen lassen, um als Mäschgerli die Blicke auf sich zu ziehen. Ein Faschingsumzug voller guter Laune, mit dem die veranstaltende Musikgesellschaft Kriessern närrisches Jubiläum feierte. Denn es war bereits der vierzigste Umzug.

1974 als zartes Pflänzchen mit nur fünf teilnehmenden Gruppe gestartet, hat sich die Veranstaltung toll entwickelt. So präsentierten sich dieses Jahr über dreissig Themenwagen, Kindergruppen, Fasnachtsvereinigungen und Guggenmusiken, mit insgesamt über 800 Mitwirkenden. Ein bunter Zug, der sich eine gute Stunde durch den Kriessner Dorfkern schlängelte.

Märchenhafte Einhörner und eine Wasserwelt

Da waren prächtig gekleidete Wikinger zu sehen, die ihr originalgetreu aufgebautes Schiff hinter einem Traktor herzogen. Gestalten aus der Super-Mario-Welt drehten mit Go-Karts, Quads und Mopedrollern Kreise auf dem zentimeterhoch mit Konfetti bedeckten Asphalt. Und Super-Mario selbst, der in Lebensgrösse mitmarschierte, grüsste alle Kinder. Die Guggenmusiker machten ihren typischen Höllenlärm, in dem sich dann die Teufelsfratzen, also die Wichastoaner Höllahünd und Diabolus Inferno pudelwohl fühlten. Es gab aber auf den Umzugswagen auch märchenhafte Einhörner und eine liebevoll gestaltete Wasserwelt mit Nemo, Dorie, Spongebob und ihren Kumpanen zu bestaunen. Dies alles unter der Regentschaft des am Samstagabend ernannten Oberleu Höanzalar Paul Dietsche, der majestätisch vom Wagen der Löwenvereinigung Kriessern allen seinen Närrinnen und Narren zuwinkte, freilich ohne die unvermeidliche Zigarre erlöschen zu lassen. Das närrische Treiben fand dann mit dem Kindermaskenball und der Beizentour bis in den frühen Abend hinein seine Fortsetzung.